Festrede des Vorsitzenden Herrn Raouf Khammassi anlässlich 60 Jahre Köln-Tunis
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister
Torsten Burmester,
Seiner Exzellenz, Der Botschafter von Tunesien,
Herr Wacef Chiha,
Sehr geehrter Herr Generalkonsul von Tunesien,
Herr Mustafa Ziri,
Sehr geehrter Herr Johannes Herrmanns, Polizeipräsident der Stadt Köln,
Sehr geehrter Herr Ezzeddine Zerria, Vize-Vorsitzender der DTG (deutsch-tunesische Gesellschaft),
Herrn Mohammed Faouzi Makhloufi, Mitarbeiter des Migrationsbüros der Stadt Essen,
Liebe ehemalige Vorstandsmitglieder,
Liebe Mitglieder,verehrte Gäste,
Liebe Freundinnenund Freunde der Städtepartnerschaft Köln–Tunis!
Es gibt Momente, in denen man innehält.
Momente,in denen man zurückblickt, um vorwärts zu sehen. Dieser Abend ist ein solcher Moment.
Vor 62 Jahren – am 12. Juni 1964 –wurde ein Vertrag unterzeichnet, der mehr war als eine formelle Vereinbarung zwischen zwei Städten:
(Der Verein Jugendclub Köln-Tunis wurde zwei Jahre später gegründet).
Es war ein Versprechen. Ein Versprechen der Freundschaft. Ein Versprechen der Verständigung.
Ein Versprechen der Zusammenarbeit. Dieses Versprechen–zwischen Köln und Tunis – halten wir auch heute, am Abend des 13. Juni 2026, lebendig.
60 Jahre Freundschaft. 60 Jahre Arbeit.
60 Jahre Miteinander, Austausch und Begegnung.
Das ist keine Selbstverständlichkeit – das ist eine außerordentliche Leistung, auf die wir gemeinsam stolz sein dürfen.
Die Geschichte unserer Partnerschaft
Köln und Tunis. Zwei Städte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch so viel gemeinsam haben.
Der Kölner Dom und die Médina von Tunis, beide UNESCO-Weltkulturerben. Der Rhein und der Tunis-See. Das offene, freundliche Herz der Kölnerinnen und Kölner–und die legendäre tunesische Gastfreundschaft, die Arabisch und Europäisch zugleich ist.
Seit der Gründung unseres Vereins haben Tausende von Menschen auf beiden Seiten des Mittelmeers von dieser Partnerschaft profitiert:
Schülerinnen und Schüler, die neue Kulturen entdeckt haben. Künstlerinnen und Künstler, die gemeinsam Ausstellungen gestaltet haben. Sportlerinnen und Sportler, Unternehmerinnen und Unternehmer;
Familien, die Freundschaften geknüpft haben, die bis heute andauern.
Wir haben gemeinsame soziale, kulturelle und sportliche Projekte realisiert. Wir haben Austauschprogramme organisiert, die Brücken gebaut haben – nicht nur zwischen Köln und Tunis, sondern zwischen Menschen. Zwischen Kulturen. Zwischen Herzen.
60 Jahre Arbeit für die Völkerverständigung – das war damals mutig, und es bleibt auch heute ein wichtiger Beitrag für eine bessere Welt.
Dank an die Vorfahren und Vorgänger
60 Jahre sind nicht einfach 60 Jahresberichte.
Es waren 60 Jahre Überzeugungsarbeit, 60 Jahre Einsatz, oft in schwierigen Zeiten. Denn es war nicht einfach, damals, vor 60 Jahren, eine solche Partnerschaft zu gründen.
Europa und die arabische Welt standen sich noch weit fremder gegenüber als heute.
Es war mutig – und dieser Mut hat sich ausgezahlt.
Und dieser Mut – er ist auch heute gefragt. Vielleicht mehr denn je. Wir leben in schwierigen Zeiten.
Zeiten, in denen Brücken leichter abgerissen als gebaut werden.
Zeiten, in denen Misstrauen zwischen Kulturen und Völkern zunimmt, in denen der Dialog manchmal schwerer fällt als das Schweigen.
Aber genau deshalb ist es mutig und notwendig, weiter zu machen. Weiter zu machen, auch wenn es unbequem ist. Weiter zu machen, auch wenn die Welt um uns herum manchmal anders zu urteilen scheint.
Diese Partnerschaft ist unser Bekenntnis:
Dass Verständigung möglich ist. Dass Freundschaft über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg nicht nur ein schöner Gedanke ist – sondern gelebte Wirklichkeit.
Die Gründer dieser Partnerschaft hatten diesen Mut vor 60 Jahren. Wir tragen ihn weiter – heute, morgen und in die nächsten 60 Jahre.
Ich möchte heute Abend alljenen danken, die vor uns diesen Weg gegangen sind:
den Gründerinnen und Gründern unseres Vereins im Jahr 1964, den Vorstandsmitgliedern und Ehrenamtlichen, die in den Jahrzehnten danach die Partnerschaft mit Leben gefüllt haben, und natürlich unseren tunesischen Freunden und Partnerinnen, ohne die diese Partnerschaft nur ein leeres Wort wäre.
Besonderer Dank gilt den hier anwesenden ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Sie haben in Zeiten gebaut, in denen interkulturelle Partnerschaften noch weitweniger selbstverständlich waren als heute. Das Fundament, auf dem wir heute stehen, haben Sie gelegt.
Der Blick auf heute
Unsere Welt hat sich verändert. Globalisierung, Digitalisierung, politische Veränderungen–all das stellt Städtepartnerschaften vor neue Herausforderungen, aber auch vor neue Chancen. Der Städtepartnerschaftsverein Köln–Tunis e.V. hat sich diesen Herausforderungen stets gestellt und ist dabei seinen Wurzeln treu geblieben: Menschen verbinden. Verständnis fördern. Freundschaft leben.
Wir sind stolz auf die Projekte, die wir in den vergangenen Jahren realisiert haben –von der Sanierung des 3E Espace d’Education Environnementale in Tunis bis hin zu kulturellen Veranstaltungen in Köln.
Wir sind stolz auf unsere Mitglieder, die mit ihrer Zeit, ihrem Engagement und ihrem Herzblut dafür sorgen, dass diese Partnerschaft nicht nur auf dem Papier existiert, sondern täglich gelebt wird.
Dank an die Gäste und Partner
Ich danke der Stadt Köln und Herrn Oberbürgermeister Torsten Burmester für die Fort währende Unterstützung dieser Partnerschaft. Ich danke der Stadt Tunis und allen tunesischen Institutionen, die diese Freundschaft über Jahrzehnte begleitet haben.
Mein ganz besonderer Dank gilt Seiner Exzellenz, Herrn Botschafter Wacef Chiha, sowie Herrn Generalkonsul Mustafa Ziri– für ihr persönliches Engagement, für ihre Begleitung unserer Arbeit und dafür, dass sie heute Abend unter uns sind. Ihre Anwesenheit ist uns eine große Ehre.
Ich danke der IHK Köln, der Polizei sowie unseren Partner organisationen Orphelinat Essebil und Association des Amis du Belvedere – und den Freunden aus Tunis, die den weiten Weg auf sich genommen haben.
Ich möchte an dieser Stelle auch an einen Mann erinnern, der diese Partnerschaft wie kaum ein anderer gelebt hat: Raouf Ben Debba– ehemaliger Vorsitzender unseres Vereins in Tunis und Präsident der AHK Tunis.
Er hatte in Köln studiert und gelebt. Er war der Mann mit zwei Herzen. Eines hat für Köln geschlagen, eines für Tunis. Er ist leider nicht mehr unter uns. Wir gedenken ihm in Dankbarkeit.
Ausblick und Vision
Was wünschen wir uns für die nächsten 60 Jahre?
Wir wünschen uns mehr Begegnungen.
Mehr junge Menschen auf beiden Seiten des Mittelmeers, die erleben dürfen, wie bereichernd Vielfalt ist.
Wir wünschen uns stärkere wirtschaftliche Verbindungen zwischen Köln und Tunis. Wir wünschen uns Projekte, die das Leben der Menschen in beiden Städten konkret verbessern.
Aber vor allem wünschen wir uns: dass der Geist dieser Partnerschaft weiterlebt. Der Geist der Offenheit.
Der Geist der Neugier. Der Geist der Freundschaft.
Dieser Geist – er ist nicht von Verträgen abhängig.
Er lebt in uns. In Ihnen. In all jenen, die heute Abend hier zusammen gekommen sind.
Meine Damen und Herren, sehr geehrte Gäste,
liebe Freunde,
60 Jahre Städtepartnerschaft Köln–Tunis.
60 Jahre, die uns gelehrt haben: Grenzen existieren in den Köpfen der Menschen – aber sie können überwunden werden. Durch Begegnung. Durch Dialog.
Durch Freundschaft.
Auf die nächsten 60 Jahre! Auf Köln! Auf Tunis! Auf unsere Freundschaft!
جزيل شكرا–Merci beaucoup–Herzlichen Dank!
Köln–Tunis | Wir bauen Brücken. Wir verbinden Menschen. Seit 1964.
